Fazit der Lesenacht

Nach der Lesenacht (geöffnet war von 18 bis 22 Uhr) ist das Bibliotheks-Team mit der Resonanz zufrieden. Rund 100 Besucher fanden zu ungewohnter Zeit den Weg in die Bibliothek. Neben der gastronomischen Betreuung durch das „Kiek mol in“ trug der Lyrikkreis Gedichte vor,  die Leselernhelfer des Vereins „Mentor“ stellten ihre ehrenamtliche Arbeit vor. (Fotos: T. Maxam, H. Wolf)

Heute abend geöffnet – „Die Bibliothek bringt Licht ins Dunkel“

Die Stadtbibliothek Springe lädt die Bevölkerung am 24. Oktober ab 18 Uhr zu einem „Langen Freitag“ in ihre Räumlichkeiten Hinter der Burg ein. Unter der Devise „Die Bibliothek bringt Licht ins Dunkel“ gibt es die Möglichkeit, sich einmal bis spät in den Abend hinein außer der Reihe ganz entspannt an diesem Ort aufzuhalten. Die Gaststätte „Kiek mol in“ wird als kulinarische Köstlichkeit ein Flying Buffet und dazu erlesene Weine anbieten. Für das literarische Programm sorgen der Lyrikkreis „Lyrik am Dienstag“ und die Gruppe „Bücherstunde“, auch ein musikalischer Rahmen ist eingeplant. MENTOR – Die Leselernhelfer werden über ihre verdienstvolle Arbeit in der Leseförderung informieren.
Den ganzen Abend über besteht bis 22 Uhr die Möglichkeit, sich wie gewohnt Medien auszuleihen, beraten zu lassen oder auch mal einen Blick hinter die Kulissen der Bibliothek zu werfen. Kinder zwischen 6 und 12 Jahren, die sich erstmals einen Bibliotheksausweis ausstellen lassen, erhalten, wie in den Sommerferien, eine der begehrten Überraschungstüten. Das Bibliotheksteam hofft, dass auch so mancher Erwachsene, der sonst nicht den Weg in die Stadtbibliothek findet, den Abend für eine Anmeldung nutzen könnte.

Selbstverständlich gelten heute auch unsere regulären Öffnungszeiten (9 bis 13 Uhr, 14 bis 18 Uhr).

Anselm Kiefer erhält Friedenspreis

Der Künstler Anselm Kiefer ist mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet worden. Vor rund 1000 geladenen Gästen fand die Verleihung in der Frankfurter Paulskirche statt. Kiefer ist der erste Bildende Künstler, der den renommierten Kulturpreis erhält.

Die Entscheidung für Kiefer als Friedenspreisträger hatte für Überraschung gesorgt, aber auch die Erwartungen hochgeschraubt: Zum ersten Mal erhält nicht ein Schriftsteller oder Wissenschaftler den Preis, sondern ein Maler und Bildhauer.

Der Kunsthistoriker Werner Spies hob in seiner Laudatio hervor, dass Künstler ebenso wie Musiker, Wissenschaftler und Schriftsteller zu den unverzichtbaren intellektuellen Partnern der Gesellschaft gehörten. Kiefers Auseinandersetzung mit Vergangenheit und Gegenwart liefere einen Beitrag, der in hohem Maße mit dem zu tun habe, was den Friedenspreis ausmache: „auf eklatante und lästige Weise gegen Vergessen und für Aufklärung zu kämpfen.“ Spies sagte: „Kiefers Werke schlagen ständig an, wie Türen anschlagen, die sich nicht schließen lassen.“

Zur Diskussion um die Vergabe des Preises an einen Künstler sagte Spies „In der Diskussion tritt etwas zu Tage, was die Entwicklung der modernen Kunst lange unterdrückt hat: Das natürliche und fruchtbare Eifersuchtsdrama zwischen Poesie und Malerei.“ Kiefer gehöre zu einer Generation von Künstlern, der es darum gehe, die Karenz von Wort und Geschichte in den Bildern nach dem Krieg zu überwinden. Kiefer sei inzwischen ein weltberühmter Mann. Vor allem jedoch außerhalb Deutschlands. Hier gelte er manchen immer noch als der Überbringer der schlechten Botschaft.

Kiefer: Deutschland mangelt es an Gedächtnisräumen

Anselm Kiefer erinnerte in seiner Dankesrede daran, dass die Beschäftigung mit der Mythologie nach dem Krieg prinzipiell unter Verdacht stand. Die Gefahr des Missbrauchs von Mythen durch die Politik sei im Dritten Reich evident geworden. Noch gefährlicher sei es allerdings, wenn Mythen ins kollektive Unbewusste versenkt würden, statt an ihnen weiterzuarbeiten. Auch nach dem Zusammenbruch der DDR kam es nach Ansicht Kiefers zu einer „Wiederholung des Zuschüttens, des Verstopfens von leerem Raum“. Kiefer mahnte das Fehlen solcher Gedächtnisräume in Deutschland an.
Für Kiefer sind Grenzen Illusion. Sie seien aufgerichtet, um zu beruhigen und einen festen Ort vorzugaukeln. „Aber ohne Grenzen, ohne diese Illusion von Grenzen sind wir nicht lebensfähig, weder als einzelne, noch im Verhältnis zu den anderen“, so Kiefer in der Paulskirche. Es gebe eine besondere Grenze zwischen Kunst und Leben, die sich oft irrlichternd verschiebe. Doch ohne diese Grenze gäbe es keine Kunst, zumal das Kunstwerk umso interessanter sei, je mehr es vom Kampf um die Grenze zwischen Kunst und Leben gezeichnet sei.

Ambivalente Macht der Bilder

Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels sagte: „Bilder, deren Kraft ausreicht, um unsere Zeit beim Namen zu nennen, zeichnen kein Bild des Friedens, noch nicht einmal beschwören sie – wie die Kunst vergangener Zeiten – die Hoffnung auf Verheißung. Würde die Kunst unserer Zeit dies versuchen, so wohl nur um den Preis der Lüge“. Anselm Kiefer habe als bildender Künstler der ambivalenten Macht der Bilder, ihren Tiefen und Untiefen, ihrem Sinn und ihren Grenzen nachgespürt wie kaum ein anderer. Er stehe beispielhaft für die Absicht des Börsenvereins, aus Verantwortung der eigenen Geschichte gegenüber mit der Verleihung des Friedenspreises die Kraft des Wortes und des Bildes zu ehren.

Maler und Bildhauer

Anselm Kiefer ist einer der bedeutendsten und einflussreichsten Künstler Deutschlands. Mit seinem Werk hat er die zeitgenössische Kunst entscheidend mitgestaltet und Tendenzen vorgegeben. Geboren am 8. März 1945 in Donaueschingen, studierte er ab 1965 zuerst Rechtswissenschaften und Romanistik, bevor er, nach dem Studium der Bildenden Kunst bei Peter Dreher in Freiburg und bei Horst Antes in Karlsruhe, 1970-1972 als Schüler von Joseph Beuys in Düsseldorf arbeitet. Seine Werke bestimmt die Auseinandersetzung mit der Geschichte, mit Religion, Philosophie und Mystik sowie mit Literatur und Poesie. Diese intellektuelle Herangehensweise ist bereits in frühen Arbeiten wie der ersten Bilderserie „Besetzungen“ im Jahr 1969 zu sehen bis hin zu seiner großen Ausstellung „Monumenta“ im Jahr 2007 im Pariser Grand Palais.
Kiefer versteht seine Kunst durchaus als politisch, entsprechend riefen seine Werke immer wieder Diskussionen. So beschäftigte er sich mit der Frage, ob es nach dem Holocaust und der Vereinnahmung der nationalen kulturellen und künstlerischen Tradition durch das Dritte Reich überhaupt noch deutsche Künstler geben kann und setzte in seinen Bildern symbolische und mythische Elemente aus der deutschen Geschichte ein. Anselm Kiefer lebt in Paris.

Anselm Kiefer ist mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden, u.a. mit dem Hans-Thoma-Preis (1983), dem Wolf-Preis für Kunst (1990), dem Goslarer Kaiserring (1991), dem Internationalen Preis der Jury der 47. Kunst-Biennale Venedig (1997) sowie dem japanischen Praemium Imperiale (1999).

[via hr online]

Daniel Kehlmann mit Thomas-Mann-Preis geehrt

Der Schriftsteller Daniel Kehlmann („Die Vermessung der Welt“, „Ich und Kaminski“) ist am Sonnabend in Lübeck mit dem Thomas-Mann-Preis der Hansestadt ausgezeichnet worden. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung erhielt der 33-Jährige im historischen Scharbausaal der Stadtbibliothek vor geladenen Gästen.

Der Literaturpreis wird seit 1975, dem 100. Geburtstag von Thomas Mann, alle drei Jahre für besondere literarische oder literaturwissenschaftliche Verdienste vergeben. Preisträger sind unter anderem Siegfried Lenz, Günter Grass und Walter Kempowski.

„Leichtfüßige Nachfolge Thomas Manns“

Daniel Kehlmann wurde 1975 als Sohn des Regisseurs Michael Kehlmann und der Schauspielerin Dagmar Mettler in München geboren. Als Kind zog er mit seiner Familie nach Wien. Dort besuchte er eine Jesuitenschule, später die Universität. Kehlmann hat Philosophie und Germanistik studiert. 1997 erschien sein erster Roman „Beerholms Vorstellung“. Der junge Autor war als Dozent für Poetik in Mainz, Wiesbaden und Göttingen tätig und erhielt bereits zahlreiche Preise, darunter den Candide-Preis des Literarischen Vereins Minden, den Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung, den von-Doderer-Preis, den Kleist-Preis sowie den Literaturpreis der Tageszeitung „Die Welt“ (2007). Der Schriftsteller lebt heute in Wien und Berlin.

In der Begründung der Jury zur Verleihung des Thomas-Mann-Preises hieß es: „Die Ehrung gilt dem scharfsinnigen Essayisten und klugen Geschichtenerzähler, dessen Romane und Novellen mit artistischer Verve und in leichtfüßiger Nachfolge Thomas Manns mit Humor, Ironie und tieferer Bedeutung ihre sehr ernsten Scherze treiben.“

Welt-Bestseller-Autor

Kehlmanns Rezensionen und Essays erschienen bereits in zahlreichen renommierten Magazinen und Zeitungen. Schon sein Roman „Ich und Kaminski“, veröffentlicht 2003, war ein internationaler Erfolg. Der WDR hat ein Hörspiel daraus produziert. Kehlmanns Roman „Die Vermessung der Welt“ erschien 2005. Das Buch wurde bisher in 42 Sprachen übersetzt und mehr als 1,7 Millionen Mal verkauft. Die fiktive Doppelbiografie der Wissenschaftler Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß ist damit einer der erfolgreichsten deutschen Romane der Nachkriegszeit. NDR Kultur hat das Buch als Hörspiel produziert. Jetzt gibt es das Buch auch als Theaterstück: Das Braunschweiger Staatstheater hat im September eine Bühnenfassung des Regisseurs Dirk Engler uraufgeführt.

Konflikt um Preis-Benennung

Wenige Tage vor der Preisverleihung hatte die Deutsche Thomas Mann-Gesellschaft mit Sitz in Lübeck in einem offenen Brief gegen die Umbenennung des von der Bayerischen Akademie verliehenen „Großen Literaturpreises“ in „Thomas-Mann-Preis“ protestiert. Damit würden der seit 30 Jahren vergebene Thomas-Mann-Preis der Stadt Lübeck und das Ansehen des Autors beschädigt, heißt es in dem Brief. Zwei Thomas-Mann-Preise seien in Deutschland nicht zu vermitteln. 

Die Bayerische Akademie hatte ihren mit 15.000 Euro dotierten Preis unter dem neuen Namen am 8. Oktober erstmals vergeben – an den Schriftsteller Peter Handke. 75 Jahre nach der Vertreibung Thomas Manns aus München „schien es uns mehr als angemessen, seinen Namen mit einem bedeutenden Literaturpreis in der bayerischen Landeshauptstadt zu verbinden“, hatte die Akademie die Umbennung begründet.

[via NDR Online]

Im Bestand:

Zba Kehlm
Kehlmann, Daniel:
Die Vermessung der Welt : Roman / Daniel Kehlmann. – 12. Aufl. – Reinbek : Rowohlt, 2005. – 301 S. ; 21 cm
ISBN 3-498-03528-2

SY: Zba

Der historische Roman zeichnet die Lebenswege zweier großer „Weltvermesser“ des 19. Jahrhunderts in einer Art Doppelbiografie nach: des berühmen Naturforschers Alexander von Humboldt und des in seiner Zeit nicht weniger berühmten Mathematikers und Astronomen Carl Friedrich Gauß.